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VDV-Runde in Winningen: Transport- und Logistikbranche fordert verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie

Vertreterinnen und Vertreter mittelständischer Transport- und Logistikunternehmen aus Rheinland-Pfalz trafen sich am 9. Mai gemeinsam mit dem VDV Rheinland zur VDV-Runde in Winningen. Im Mittelpunkt standen aktuelle politische, wirtschaftliche und strukturelle Herausforderungen des Straßengüterverkehrs. Die Veranstaltung war geprägt von einem offenen, konstruktiven und praxisnahen Austausch zwischen Unternehmern, Politik und Verbänden.

Besonderer Gast war der Bundestagsabgeordnete Harald Orthey, der sich im Deutschen Bundestag unter anderem mit dem von ihm initiierten „Parlamentskreis Straße“ für die Belange des mittelständischen Straßenverkehrsgewerbes einsetzt. Als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Montabaur vertritt Orthey zugleich eine Region, die unmittelbar zum Verbandsgebiet des VDV Rheinland gehört.

Der Geschäftsführer des VDV Rheinland, Guido Borning, brachte ausdrücklich die große Wertschätzung der rheinland-pfälzischen Branche dafür zum Ausdruck, dass sich Herr Orthey mit hohem persönlichem Engagement und klarer verkehrspolitischer Positionierung für die Interessen der mittelständischen Transport-, Logistik- und Verkehrsunternehmen einsetzt.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen infrastrukturelle Themen, die wirtschaftliche Lage der Branche sowie der akute Fahrermangel. Harald Orthey machte deutlich, dass der Straßengüterverkehr auch künftig eine tragende Rolle im Verkehrssystem übernehmen werde und der Ausbau sowie Erhalt der Straßeninfrastruktur deshalb nicht hinter anderen Verkehrsträgern zurückfallen dürften. Zugleich be- tonte er, dass der Finanzierungskreislauf Straße im Koalitionsvertrag ausdrücklich verankert worden sei und Einnahmen aus der Lkw-Maut künftig wieder stärker zweckgebunden in die Infrastruktur investiert werden müssten.

Intensiv diskutiert wurde zudem das sogenannte „2-in-1-Modell“, also die stärkere Verzahnung von Führerscheinausbildung und Berufskraftfahrerqualifikation. Orthey betonte, dass er dieses Thema aus- drücklich im Fokus habe und sich dafür einsetzen werde, dass die Umsetzung nun weiter an Fahrt auf- nimmt. Ziel müsse es sein, den Berufszugang praxisnäher, unbürokratischer und attraktiver zu gestalten. In diesem Zusammenhang wurde auch eine deutliche Senkung der Führerscheinkosten gefordert. Während die Ausbildungskosten in Deutschland vielfach bei 10.000 bis 12.000 Euro lägen, zeigten Beispiele wie Österreich, dass Kosten von etwa 3.000 bis 4.000 Euro realistisch seien.

Im Anschluss berichtete Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güter- kraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), über die aktuellen Entwicklungen und Zukunftsherausfor- derungen der Branche. Gemeinsam mit Guido Borning hob er die enge und vertrauensvolle Zusam- menarbeit zwischen BGL und VDV Rheinland hervor. Als Beispiel wurde unter anderem die anstehende Abschaffung des Lkw-Fahrverbots an nicht bundeseinheitlichen Feiertagen genannt.

Prof. Dr. Engelhardt machte deutlich, dass der Straßengüterverkehr langfristig weiter an Bedeutung gewinnen werde. Gleichzeitig würden jedoch infrastrukturelle Defizite, steigende Belastungen und der zunehmende Fahrermangel die Leistungsfähigkeit der Branche massiv begrenzen. Zu den politischen Schwerpunkten des BGL zählen unter anderem die Schließung des Finanzierungskreislaufs Straße, der Bürokratieabbau sowie die klimafreundliche Transformation des Straßengüterverkehrs.

Auch alternative Antriebe wurden thematisiert. Engelhardt betonte, dass die Transformation nur mit ausreichender Ladeinfrastruktur, leistungsfähigen Netzanschlüssen, wirtschaftlich tragfähigen Ener- giepreisen und technologieoffenen Lösungen gelingen könne.

Kritisch äußerte sich der BGL zudem zu zunehmenden bürokratischen Anforderungen und zusätzlichen Belastungen, die insbesondere mittelständische Unternehmen überproportional träfen. Familiengeführte Betriebe seien zunehmend mit umfangreichen Dokumentations- und Berichtspflichten konfrontiert. Politische Zielsetzungen müssten deshalb stärker praxistauglich und wirtschaftlich umsetzbar gestaltet werden.

Zugleich wurde die verstärkte politische und mediale Präsenz des BGL hervorgehoben. Der Verband habe die Interessen des Transportgewerbes in den vergangenen Monaten deutlich sichtbarer vertreten und zahlreiche Gespräche auf Bundes- und Europaebene geführt. Als Beispiel wurde auch die BGL- Kampagne „ich fahr für dich“ genannt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dankten dem BGL sowie Prof. Dr. Engelhardt ausdrücklich für dessen herausragendes Engagement für das mittelständische Transport- und Logistikgewerbe

Im weiteren Verlauf stellte Guido Borning die aktuellen Schwerpunkte der Verbandsarbeit des VDV Rheinland sowie von MOLO Rheinland-Pfalz vor. Neben klassischen Themen wie Beratung, Information und Tarifarbeit gewinne insbesondere die politische Interessenvertretung weiter an Bedeutung. Mit Blick auf die neue Landesregierung in Rheinland-Pfalz kündigte Borning an, den politischen Austausch auf Landesebene weiter intensivieren zu wollen.

Vorgestellt wurden außerdem neue Netzwerk- und Veranstaltungsformate wie der „Tag des Straßen- verkehrs“, der auch 2026 wieder gemeinsam mit der SVG Rheinland und weiteren Partnern stattfinden soll.

Ergänzend ging Referentin Susanne Stubbe auf das zunehmende Problem sogenannter „Phantom- Frachtführer“ ein. Dabei handelt es sich um organisierte Betrugsstrukturen, bei denen Täter unter fal- scher Identität Transportaufträge übernehmen und anschließend mit der Ware verschwinden. Die Branche wurde dafür sensibilisiert, bei der Prüfung von Frachtführern und digitalen Kommunikationswegen besondere Vorsicht walten zu lassen.

Auch die aktuellen tarifpolitischen Entwicklungen wurden thematisiert. Guido Borning machte deutlich, dass attraktive Löhne und soziale Rahmenbedingungen notwendig seien, um Fachkräfte langfristig zu binden. Gleichzeitig müsse jedoch berücksichtigt werden, dass mittelständische Unternehmen vielfach unter erheblichem Wettbewerbs- und Kostendruck stünden und wirtschaftlich tragfähige Lösungen erforderlich seien.

Nach den intensiven Diskussionen klang die Veranstaltung auf der Sommerterrasse mit Blick auf die Mosel in entspannter Atmosphäre aus. Einigkeit bestand darüber, dass solche Austauschformate künftig regelmäßig stattfinden sollen.


„Der persönliche Austausch zwischen Politik, Bundesverband, Landesverband und den Unternehmen ist wichtiger denn je. Unsere Branche steht vor enormen Herausforderungen – vom Fahrermangel, über Bürokratie bis hin zur Transformation der Antriebe. Umso wichtiger ist es, dass die mittelständi- schen Interessen geschlossen und mit klarer Stimme vertreten werden“, betonte Guido Borning zum Abschluss der Veranstaltung. „Die intensive Beteiligung und die engagierte Diskussion haben erneut gezeigt, wie wichtig solche Austauschformate für unsere Branche sind.“