MOLO: Aktuelle Situation zeigt einmal mehr die enorme Bedeutung des Lkw für Wirtschaft und Versorgung
Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein stellt Wirtschaft und Logistik zunehmend vor große Herausforderungen. Die stark eingeschränkten Transportmöglichkeiten der Binnenschifffahrt führen dazu, dass zusätzliche Gütermengen auf die Straße verlagert werden sollen. Damit rückt einmal mehr der Straßengüterverkehr in den Fokus.
Aus Sicht von MOLO – Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz können und werden die Unternehmen der Branche einen wichtigen Beitrag leisten, um Engpässe abzufedern und Lieferketten aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig warnt der Verband vor der Vorstellung, zusätzliche Transportkapazitäten ließen sich kurzfristig und in nahezu beliebigem Umfang abrufen.
„Natürlich werden unsere Unternehmen versuchen, zusätzliche Transporte zu übernehmen und ihren Beitrag dazu zu leisten, dass Lieferketten funktionieren“, erklärt MOLO-Geschäftsführer Guido Borning. „Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Zusätzliche Lkw-Kapazitäten entstehen nicht auf Zuruf. Vor allem fehlen uns seit Jahren die Fahrer. Und ein Lkw, für den kein Fahrer zur Verfügung steht, hilft uns auch in einer solchen Situation nicht weiter.“
Die aktuell diskutierte vorübergehende Lockerung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots für Lkw kann aus Sicht von MOLO durchaus sinnvoll sein, um den Unternehmen zusätzliche Flexibilität zu ermöglichen. Sie allein schafft jedoch keine neuen Kapazitäten. Gerade während der Ferien- und Urlaubszeit sind Personal und Fahrzeuge vielerorts ohnehin stark gebunden. Hinzu kommen die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten, die selbstverständlich weiterhin einzuhalten sind.
Heiko Nagel, Geschäftsführerkollege von Borning, verweist dabei auf die praktische Situation in den Betrieben: „Unsere Unternehmen disponieren ihre Fahrzeuge und ihr Personal nicht mit großen Reserven für den Fall, dass kurzfristig zusätzliche Mengen auf die Straße kommen. Die vorhandenen Kapazitäten sind weitgehend im Tagesgeschäft gebunden. Wer jetzt zusätzliche Transportleistung benötigt, muss deshalb auch realistisch darauf schauen, was die Branche tatsächlich noch leisten kann.“
Gleichzeitig gilt es aus Sicht von MOLO, in der aktuellen Situation alle tatsächlich vorhandenen Spielräume zu nutzen. Zeitlich begrenzte und unbürokratische Erleichterungen können dabei helfen, vorhandene Kapazitäten flexibler einzusetzen. Wichtig sei zudem eine enge Abstimmung zwischen Politik, Behörden, Verladern und Transportwirtschaft, damit insbesondere dort
zusätzliche Transportmöglichkeiten genutzt werden können, wo sie für die Aufrechterhaltung von Lieferketten und Versorgung besonders dringend benötigt werden.
„Jetzt geht es zunächst darum, gemeinsam pragmatische Lösungen zu finden“, betont Borning.
„Wo unsere Unternehmen zusätzliche Mengen übernehmen können, werden sie das auch tun. Deshalb sind Erleichterungen, die kurzfristig mehr Flexibilität schaffen, richtig. Wir stehen auch bereit, die Erfahrungen unserer Unternehmen in die weiteren Überlegungen einzubringen.“
Die aktuelle Situation zeigt aus Sicht von MOLO allerdings weit mehr als ein vorübergehendes logistisches Problem. Sie macht erneut deutlich, welche zentrale Bedeutung der Straßengüterverkehr für funktionierende Lieferketten und die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung hat. Gerade die hohe Flexibilität der Straße ermöglicht es, kurzfristig auf veränderte Warenströme und Engpässe zu reagieren.
„Wenn es irgendwo eng wird, schaut man sehr schnell auf den Lkw und erwartet zu Recht, dass die Branche flexibel reagiert und zusätzliche Aufgaben übernimmt“, erklärt Borning. „Gleichzeitig wird der Straßengüterverkehr in der politischen und teilweise auch gesellschaftlichen Wahrnehmung seit Jahren eher stiefmütterlich behandelt. Das passt nicht zusammen.“
Aus Sicht von MOLO sollte die aktuelle Situation deshalb auch Anlass sein, die Bedeutung des Straßengüterverkehrs grundsätzlich stärker in den Blick zu nehmen. Eine leistungsfähige Logistik braucht eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur, wettbewerbsfähige Unternehmen und politische Rahmenbedingungen, die der tatsächlichen Bedeutung der Branche gerecht werden.
Nagel ergänzt: „Hinter jedem Lkw stehen Unternehmen, Unternehmerinnen und Unternehmer und vor allem Fahrerinnen und Fahrer, die tagtäglich dafür sorgen, dass Waren ankommen und unsere Wirtschaft funktioniert. Diese Leistung wird häufig als selbstverständlich wahrgenommen. Spätestens in Situationen wie der jetzigen merkt man aber sehr schnell, was passiert, wenn Transportkapazitäten knapp werden.“
MOLO fordert deshalb neben kurzfristigen und pragmatischen Erleichterungen eine deutlich stärkere politische Wahrnehmung des Straßengüterverkehrs. Dazu gehören eine leistungsfähige und verlässliche Infrastruktur, weniger bürokratische Belastungen für die Unternehmen sowie wirksame Maßnahmen gegen den seit Jahren zunehmenden Fahrermangel. Ebenso notwendig ist aus Sicht des Verbandes eine höhere gesellschaftliche Anerkennung der Branche und insbesondere der Menschen, die tagtäglich auf der Straße für funktionierende Lieferketten sorgen.
„Wir brauchen hier einen Perspektivwechsel“, so Borning. „Der Lkw darf nicht immer nur dann als unverzichtbar gelten, wenn er kurzfristig Probleme lösen soll. Der Straßengüterverkehr ist jeden Tag ein zentraler Bestandteil unserer wirtschaftlichen Infrastruktur. Genau diese Bedeutung muss sich endlich auch in politischen Entscheidungen, in den Rahmenbedingungen und in der gesellschaftlichen Wertschätzung widerspiegeln.“
Auch Nagel sieht darin eine zentrale Botschaft der aktuellen Situation: „Unsere Unternehmen werden auch jetzt wieder helfen, wo sie können. Aber vielleicht führt das Niedrigwasser auch zu der Erkenntnis, dass man eine Branche, auf die man sich im Ernstfall verlassen möchte, im Alltag nicht dauerhaft vernachlässigen darf.“
Für MOLO macht das Niedrigwasser am Rhein deshalb zweierlei deutlich: Kurzfristig müssen alle vorhandenen Möglichkeiten genutzt werden, um Engpässe abzufedern und Lieferketten stabil zu halten. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Situation sehr eindrücklich, dass der Straßengüterverkehr keine Reserve ist, die sich bei Bedarf einfach zuschalten lässt. Er ist jeden Tag ein unverzichtbarer Teil der Versorgung und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unseres Landes. Diese Bedeutung verdient mehr politische Aufmerksamkeit, bessere Rahmenbedingungen und eine deutlich höhere gesellschaftliche Anerkennung.
MOLO – Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz e.V. ist der Dachverband der rheinland-pfälzischen Verkehrs-, Transport- und Logistikbranche. Der Dachverband bündelt die Interessen der beiden Mitgliederverbände VDV Rheinland e.V. und VVRP Rheinhessen-Pfalz e.V., die wiederum ca. 1400 Unternehmen aus den Bereichen Güterkraftverkehr, Möbeltransport, Kraftomnibusverkehr und Taxi-Mietwagenverkehr vertreten.